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Für einen fairen und ehrlichen Radsport |
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Mittwoch, 17. Oktober 2012 |

Liebe Radsportfreunde,
die Ereignisse der vergangenen Tage um Lance Armstong und Co. sind auch in meinem Urlaub ein Thema. Ich muss gestehen, es lässt mich nicht kalt und geht mir nicht aus dem Kopf.
Dieser große Sumpf, der da zum Vorschein kommt, ist schon einige Jahre alt. Heute wissen wir, dass – vor allem aber wie – es einige Betrüger geschafft haben und auch heute noch schaffen, im Radsport ihr Unwesen zu treiben. Ich finde es vor allem erschreckend, in welchem Ausmaß und wie systematisch betrogen wurde.
Gerade deswegen bin ich der Meinung, dass der Kampf gegen den
Betrug und den ergaunerten Erfolg unbedingt weiter fortgesetzt werden
muss! Bereits jetzt hat sich dieser Kampf um Ehrlichkeit und einen
fairen Sport gelohnt, auch wenn er dem Ansehen des Radsports immer
wieder Schaden zuzufügen scheint.
Immerhin: Einige Betrüger
haben nun Verantwortung übernommen und sich der Situation gestellt.
Hoffen wir, dass auch das die richtigen Signale für die Zukunft sind.
Ich
finde es sehr schade, dass die Ermittlungen der verschiedenen Behörden
so lange angedauert haben, denn sonst wäre der „neue Radsport“ heute
vielleicht schon einen großen Schritt weiter. Doch die teilweise
unglaublichen Ereignisse rund um die Ermittlungen der
US-Anti-Doping-Agentur USADA machen auch deutlich, warum es so viel Zeit
in Anspruch genommen hat.
Bereits seit meinem elften
Lebensjahr habe ich Radsport gelebt und davon geträumt, eines Tages
Radprofi zu werden. Es gab nur wenige Momente, an denen ich und meine
Radsportfreunde im Verein nicht von Friedensfahrt, Meisterschaften und
Olympische Spiele geträumt haben. Nur ein Ziel hatte ich stets vor
Augen: den Radsport!
Ich hatte und habe große Leidenschaft für
Bewegung und Gemeinschaft und auch für den Erfolg. Das ist eine
Leidenschaft, für die mir niemand die Grenzen und Opfer erklären muss.
Doch bei aller Passion und bei allem Kampf für den Erfolg, stand für
mich immer fest, dass es auch Tabus gibt.
Im Jahr 2005
unterschrieb ich meinen ersten Profivertrag und seit nun über 20 Jahren
ist der Radsport ein großer Teil meines Lebens. Doch sportliche
Höchstleistung und Erfolge mit unlauteren Mitteln zu erreichen, ist
nicht nur ein Tabu, sondern Betrug.
Es gibt klare Regeln und
Gesetze und wer sich daran nicht hält, ist ein Betrüger und gehört den
Regeln entsprechend sanktioniert!
Nach sieben Jahren im
Profisport, zehntausenden harten Trainings- und Rennkilometern und über
100 Siegen, komme ich mir angesichts der Ereignisse machtlos vor. Ich
habe zwar viel erreicht, aber trotzdem gibt es noch so viel zu tun.
Fleiß, harte Arbeit, das Vertrauen meiner Mannschaft, Ehrlichkeit und
Bodenständigkeit haben meine Radsportträume mit nachhaltigen Erfolgen
belohnt.
All das kann mir kein Betrüger nehmen und doch
frustriert es mich immer wieder aufs Neue, als Radsportler mit diesen
Themen konfrontiert zu werden. Doch es ist der Preis, den ich für die
Betrüger mit bezahle.
Und um auch das zu untermauern: Ich
werde mich auch abseits der Rennstrecke für einen neuen und sauberen
Radsport einsetzen, mich den Betrügern nicht geschlagen geben und der
Jugend und den Menschen da draußen weiterhin zeigen, dass es auch anders
geht: Fair und vor allem ehrlich!
Ich möchte diese Chancen
für Emotion und Leidenschaft, für den Kampf um jeden Millimeter, für
Gemeinschaft und Freundschaft in Zukunft noch vielen Kindern und
Jugendlichen nahebringen, denn es lohnt sich.
Meine Träume von
Friedensfahrt, Olympischen Spielen, Meisterschaften, Tour de France
sind inzwischen in Erfüllung gegangen. Es ist ein unbeschreibliches
Gefühl unter dem Jubel von Millionen von Zuschauern entlang der Strecken
Profiradsportler sein zu dürfen.
Ich habe noch viele
sportliche Ziele, vor allem aber einen Traum: Eine der härtesten
Sportarten der Welt – meine Passion Radsport – als einen fairen
Wettbewerb bestreiten zu dürfen!
Dafür lohnt es sich zu kämpfen!
Mit ehrlichen und sportlichen Grüßen,
André Greipel
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